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Medienmitteilung 19.11.2004


Lehrkräftepolitik der Schweiz: Gute Noten von der OECD

Bern, 19.11.2004. Die OECD stellt der Lehrkräftepolitik in der Schweiz insgesamt ein gutes Zeugnis aus. Die Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung in der Schweiz wird als sehr positiv beurteilt.


Zusammen mit acht OECD-Mitgliedstaaten (Belgien, Deutschland, Italien, Korea, Österreich, Spanien, Schweden und Ungarn) hat sich die Schweiz 2002-2004 an einem umfassenden Examen der OECD zur Lehrkräftepolitik beteiligt. Der internationale Schlussbericht dieser Studie wurde an der OECD-Konferenz "Anwerbung, berufliche Entwicklung und Verbleib von qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern" vom 18. und 19. November 2004 in Amsterdam vorgelegt.

Lob für die Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung

Im Rahmen der "Teacher Review" prüften unabhängige OECD-Expertinnen und -Experten Themenbereiche wie Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen, Status, Arbeitsbedingungen, Rekrutierung. Bei ihrer Beurteilung stützten sie sich insbesondere auf den Vergleich mit anderen OECD-Ländern.

  • Die OECD-Expertinnen und -Experten bewerten die von der EDK koordinierte Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung (Verlagerung auf Hochschulstufe) als sehr positiv und als wichtigen Beitrag zur weiteren Qualifizierung des Lehrberufs.
  • Im internationalen Vergleich verfügt das schweizerische Schulsystem über ein sehr hohes Lohnniveau. Die Schweizer Lehrerlöhne sind auch im Inland gegenüber anderen Beschäftigungssektoren wettbewerbsfähig.
  • Gemäss OECD-Expertinnen und -Experten ist der Standard der Infrastruktur in den Schulen der Schweiz beeindruckend. Die Lehrpersonen sind sehr motiviert und schätzen generell ihren grossen Gestaltungsspielraum und ihre Autonomie.
  • Der Grad an Schulautonomie (Autonomie der Einzelschule) wird als sehr gut hervorgehoben.
  • Die Vielzahl an Arbeitgebern (Kantone, Gemeinden) und die daraus resultierende Dynamik (Abweichungen bei den Anstellungsbedingungen) wird als positives Merkmal hervorgehoben. Die Anstellung der Lehrpersonen nach öffentlich-rechtlichen Bedingungen wird als flexibel und bedarfsgerecht beurteilt, das betrifft auch die in der Schweiz breit genutzte Möglichkeit zur Teilzeitarbeit. Die Anstellungsverfahren werden als transparent gelobt. Die gesamtschweizerische Anerkennung der Lehrdiplome durch die EDK wird den bisher kleinräumigen Arbeitsmarkt weiter öffnen.
  • Anerkennung findet die breite Konsultationskultur im Schulsystem Schweiz, auch wenn diese Verfahren mit Zeitaufwand verbunden sind. Positiv hervorgehoben wird das Bemühen der EDK, eine Diskussion über ein verändertes Berufsbild zu lancieren.

Empfehlungen der OECD: Harmonisierung verstärken

Der OECD-Bericht enthält Empfehlungen an die Adresse der beteiligten Länder. Mit ihren Empfehlungen an die Schweiz unterstützen die OECD-Expertinnen und -Experten geplante oder laufende Bestrebungen weitgehend. Stichworte sind: Stärkung der Systemsteuerung, Konsolidierung der Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung, Verbesserung der Laufbahnentwicklung, weitere Stärkung der Schulautonomie:

  • Die von der OECD empfohlene Stärkung der Systemsteuerung wird in der Schweiz über das EDK-Projekt HarmoS (nationale Bildungsstandards) und das gemeinsam zwischen Kantonen und Bund geplante Bildungsmonitoring verfolgt. Im Bereich des Bildungsmonitorings wird eine Verbesserung der Datenlage (statistische Daten, Bildungsforschung) angestrebt.
  • Die Konsolidierung der Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung ist eine strategische Priorität der EDK; die Arbeiten der EDK haben dazu geführt, dass neu eine gesamtschweizerische Anerkennung von wichtigen Zusatzausbildungen im schulischen Bereich möglich wird und damit ein Beitrag zu einer verbesserten Laufbahnentwicklung geleistet werden kann. Im Bereich der Grundausbildung begrüsst die OECD flexible Modelle für die Zulassung von Quereinsteigerinnen und -einsteigern zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung; solche Modelle gibt es bereits an verschiedenen Pädagogischen Hochschulen.
  • Der Prozess, den Schulen eine hohe Autonomie einzuräumen, ist in der Schweiz an vielen Orten bereits weit fortgeschritten. Wie die OECD empfiehlt, geht dieser Prozess in der Schweiz auf kantonaler Ebene weiter. In diesem Zusammenhang empfiehlt die OECD eine weitere Klärung der Rolle der Schulleitung, in Abgrenzung zum Lehrerinnen- und Lehrerkollegium einerseits und zu den lokalen Schulbehörden andererseits.

Die Task Force Lehrberufsstand der EDK wird die Rückmeldungen der OECD-Expertinnen und -Experten nun detailliert prüfen und Schlussfolgerungen zuhanden der Organe der EDK erarbeiten. Der Schlussbericht über die Tätigkeit der Task Force Lehrberufsstand, die vom EDK-Vorstand im Jahre 2001 eingesetzt worden ist, wird in der 1. Hälfte des kommenden Jahres vorliegen.


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Hintergrundinformationen

Die OECD "Teacher Review" (Attracting, Developing and Retaining Effective Teachers) ist eine Untersuchung zur Lehrkräftepolitik in mehreren OECD-Ländern. Im Zentrum stehen Fragen nach der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen, nach dem Status, nach den Arbeitsbedingungen und nach der Rekrutierung von Lehrpersonen.
Neun Länder liessen ihre Lehrkräftepolitik umfassend untersuchen: neben der Schweiz auch Belgien, Deutschland, Italien, Korea, Österreich, Spanien, Schweden und Ungarn. Weitere 16 Länder nahmen mit einem Bericht teil (ohne Experten-Besuch und ohne Empfehlungen).

Ziel eines OECD-Examens ist ein Blick von aussen auf einen Bildungsbereich mit entsprechenden Empfehlungen von externen Expertinnen und Experten. Im Zentrum steht eine Beurteilung durch unabhängige OECD-Expertinnen und -Experten. Diese stützen sich für ihre Empfehlungen auf den Vergleich mit anderen Ländern. Dieser Vergleich soll es auch erlauben, neue Ansätze kennen zu lernen und neue Inputs zu erhalten.

Die Daten für das OECD-Examen zur Lehrkräftepolitik wurden von 2002-2003 gesammelt und 2004 ausgewertet. Der Expertenbesuch in der Schweiz (Deutschschweiz und Westschweiz) fand vom 9. bis 18. März 2003 statt. Das Expertenteam umfasste vier Personen: den Delegierten der OECD, eine Bildungsforscherin aus Frankreich, einen Bildungsforscher aus den USA sowie einen Vertreter aus Politik und Verwaltung (Kultusministerkonferenz, Deutschland).